10 Jahre Archivista

10 Jahre ist es her…
Happy Birthday Archivista GmbH

Pfaffhausen, 31. März 2008: Genau vor 10 Jahren, am 31. März 1998 wurde die Firma Archivista GmbH gegründet. Ich möchte diesen Beitrag dazu verwenden, kurz Rückschau über die wichtigsten nebensächlichen Etappen der Firmengeschichte zu halten, d.h. über Dinge zu sprechen, die sonst glatt nicht in die Geschichte eingehen würden.

Um es gleich vornweg zu sagen, es gibt einfachere Dinge, als eine Firma zu gründen, die für einige hundert Franken bzw. Euro eine Archivsoftware anbietet. Das erste Geschäftsjahr ist mir stark in Erinnerung geblieben mit irritiertem Kopfschütteln, zuweilen gar Lächeln, dass das unmöglich sei, was wir anbieten würden. Und überhaupt, wer archiviert denn schon professionell auf CDR, das ist im besten Falle ein Spielzeugdatenträger, auch diesen Einwand hörten wir oft und mit einem Unterton an Entrüstung. Oder: So so, 10 Jahre soll euer Archiv halten, dann warten wir mal ab, ob es euch in sechs Monaten noch gibt.

Unsere Argumente, dass wir z.B. nur quelloffene Archivformate verwenden würden, und dass es dokumentierte Import- und Export-Schnittstellen gäbe, auch dies wurde äusserst skeptisch wahrgenommen. Bestens in Erinnerung geblieben ist mir auch das Gespräch mit einem Produkt Manger einer heute noch auf dem Markt tätigen Weltfirma, der unsere Software umgehend orderte und mir gleichsam einen Teilzeitjob anbieten wollte. Wohlgemerkt, besagte Weltfirma produziert(e) damals wie heute Archivierungsprodukte.

Jukeboxen haben das Zeitliche gesegnet…

Heute dürfen wir immerhin festhalten, die Firma Archivista GmbH hat 10 Jahre mühelos über die Runden gebracht und unsere Datenträger haben das Zeitliche noch längst nicht gesegnet. Dies ganz im Gegensatz zu den damals "sauteuren" Jukeboxen, die vor einigen Jahren sang- und klanglos vom Markt genommen wurden, obwohl die Geräte doch ab ca. 20'000 Franken oder mehr kosteten und viel viel professioneller seien als die Ramsch-Brenner, die wir empfohlen haben. Ich habe diesen Argumenten damals wie heute entgegnet, dass die Audio-Kasette ja alleine aufgrund der Verbreitung gut und gerne überleben werde, ganz egal wie genial DAT nun sei. Und genauso ist es den CDs ergangen. Ich bin im übrigen auch heute noch gerne bereit, Ihnen meine ersten selbstgebrannten CDs aus dem Jahre 1991 zu zeigen, vorausgesetzt wir treffen uns nicht an der prallen Sonne oder in der Schreinerei. Zu warm oder zu staubig geziemt sich nicht.

Das Hupp-Horn vom Support

Die Anfangszeit war im übrigen geprägt durch sehr viel Windows. Ja, ich gebe es gerne zu, die erste Version von Archivista lief mit der "Datenbank"-Engine Microsoft Access. Ob diese Entscheidung im Nachhinein richtig oder falsch war, ist schwierig zu sagen. Wir haben dabei aber in jedem Falle extrem viel gelernt. Z.B. auch, dass in einer nicht namentlich zu nennenden Firma Supportabteilungen ein Hupp-Horn haben, das signalisiert, wenn die durchschnittliche Supportzeit überschritten wird. Oder dann sind wir früh auf eine Firma gestossen, die eine Datenbank namens MySQL bzw. mSQL produziert. Unsere erste Bestellung datiert aus einer Zeit, wo diese Firma niemand, aber auch gar niemand kannte.

MySQL akzeptieren wir nicht…

Nachdem wir drei Jahre später MySQL in unser Produkt integrierten, erinnere ich mich im Übrigen noch gut an ein Gespräch mit einem EDV-Verantwortlichen der grössten Schweizer Stadtverwaltung. Es gehe nicht an, dass wir ein NoName-Produkt als Datenbankgrundlage verwenden würden, sie würden nur Access, MS SQL sowie Oracle akzeptieren. Ich will doch hoffen, dass dies heute nicht mehr so ist. Ansonsten hat sich der Umstieg von Access zu MySQL für uns in jedem Falle gelohnt. Plötzlich konnten wir mit wenig Aufwand Lösungen mit einer Stabilität und in einer Grössenordnung realisieren, die wir bis dahin nie für möglich hielten.

In der Stadt namens D…

Und doch gab es Archive im Millionenbereich bereits mit der Access-Engine. In einer Stadt namens D. wurde das Bauamt mit Archivista 4.x bestückt. Erworben wurde eine 5er-Lizenz. Und das ist nun kein Aprilscherz. Der EDV-Verantwortliche hätte gerne eine Erweiterung in unserem Produkt gesehen. Einen Knopf, mit dem sich die Benutzer temporär abmelden hätten können, damit die 600 Benutzer mit der 5er-Lizenz besser arbeiten könnten. Die Erweiterung ist nie entstanden, aber gerne ermuntere ich den entsprechenden EDV-Verantwortlichen heute, die GPL-Editon der ArchivistaBox zu verwenden, dann brauchts auch keinen Knopf mehr. Mit einem Dualcore-Rechner könnten dann sogar einige hundert Benutzer gleichzeitig mit Archivista arbeiten, die entsprechenden Tests haben wir letzthin im Rahmen eins Kundenprojektes durchgeführt. Nur etwas ist uns nicht möglich, wenn wir eine ArchivistaBox mit Support installieren, können wir bei 5-Supportlizenzen nicht 600 Benutzer supporten.

Ein Rack-Schrank zum Reinstehen

Ja, und dann sind hier noch all die wertvollen Erfahrungen mit den Hauslieferanten unserer Kunden. Bei einem Kunden haben wir zu unserer grossen Überraschung keinen Server vorgefunden. Die ca. 20 Mitarbeiter/innen arbeiteten alle mit einem CD-Brenner als Backup-Gerät. Schade nur, dass beim Backup die Joliet-Dateierweiterungen nicht aktiviert waren. So lagen auf den Backup-Datenträger lauter Word- und Exel-Dateien mit achtstelligen kryptischen Dateinamen. Die Firma hat dann einen Netzwerker beauftragt, der einen Server anlieferte. Gleichzeitig wurde ein Rack für mehrere tausend Franken geordert. Auf meine Nachfrage, weshalb für einen Server ein drei Meter hoher Rack-Schrank notwendig sei, wurde mir entgegnet, dass habe man sich auch gefragt. Ja, ob sie denn nicht nachgefragt hätten. Doch, doch da habe der Lieferant gesagt, der grosse Rack-Schrank sei schon sinnvoll, damit der Techniker beim Einrichten des Servers stehen könne. Ehrlich gesagt konnte ich mir ein kleines Lächeln nicht verkneifen.

Über die Jahre hinweg haben wir vorallem die Erfahrung gemacht, dass es für den Kunden unheimlich schwierig ist zu verstehen, wer wofür in der Informatik verantwortlich ist. Unsere Lösung lief damals meistens auf dem einen vorhandenen Server. Das ging mit Novell oder Windows NT meist auch gut, erst später mit der zunehmenden Migrationseuphorie auf neuere Rechner, kamen Konzepte wie eine Applikation pro Server auf. Für uns hatte das den Nachteil, dass wir oft für Kosten verantwortlich gemacht wurden, die wir gar nie als sinnvoll erachtet haben. Nebenbei erwähnt, dies war die Geburtsstunde unserer ArchivistaBox. Denn wenn es schon einen Server pro Applikation braucht, dann liefern wir lieber selber einen kleinen Winzling aus, der wenig wiegt und sparsam im Stromverbrauch ist.

Unsere ArchivistaBoxen sind heute gut positioniert. Wir können heute ein System inklusive Hardware (Lösung, Rechner + Scanner) ausliefern, wofür wir vor 10 Jahren noch nicht mal die Software bzw. den Scanner hätten hinstellen können. Und weil die ArchivistaBox als Embedded-Linux-Lösung läuft, kann sie pfannenfertig ausgeliefert werden. Das spart enorm viel Zeit. Während wir früher für eine Lösung mit einigen hunderttausend Akten ein zwei Tage Implementierung kalkulierten, sind es heute noch ein zwei Stunden, bis die Lösung betriebsbereit bereitsteht.

Und wenn ich kurz in die Racks hineinschaue, dann frage ich mich zuweilen schon, warum um Himmelswillen nun plötzlich derart viele grosse Kisten dastehen, wenn eine kleine Box wie unsere doch auch reichen würde. Die ArchivistaBoxen gibt es nun seit einigen Jahren und zu Beginn war ein langjähriger Kunde etwas skeptisch. Nicht nur, dass die ArchivistaBox unter Linux lief, sondern auch, dass wir zwei kleine Boxen als Server hinstellen wollten. Letztlich bestellte er einen Server eines nahmhaften Herstellers (bekanntgeworden durch drei weisse Buchstaben) sowie die Backup-Box bei uns. Der Server gab vor ca. einem Jahr den Geist auf; unsere Backup-Box läuft n
och immer, und seit dem Ausfall des grossen Servers verrichtet eine zweite kleine Box (in der Funktion als Hauptserver) den Dienst ohne Schwierigkeiten.

Send more Swiss Fränkli…

Die ArchivistaBox bzw. unsere Lösung im engeren Sinne besteht aber in erster Linie aus Software. Auch hier gibt es nette Erinnerungen. Die (damals gar nicht lustige) Geschichte datiert von der Entwicklung der Volltext-Suchmaschine Search33 (stand im Einsatz bis ca. 2004). Search33 wurde entwickelt, weil Serach32 für grössere Archive zu langsam war. Die Entwicklung von Search33 wurde daher genau spezifiziert mit Leistungsumfang und Antwortzeiten, so richtig schön mit Pflichtenheft und Konditionen. Kurz vor Fertigstellung des Produktes gibt es bei einer Funktion ein Performence-Problem. Der Entwickler der Firma meldet sich in einem Mail mit den folgenden Worten: "If you send more Swiss frankly, we will make it faster". Immerhin, ich konnte den Geschäftsführer überzeugen, dass dies so nicht gehe. Die kleine Episode hat aber sicherlich auch dazu beigetragen, dass wir seit einigen Jahren einzig und alleine mit quelloffener Programmierung arbeiten.

C, Doppelpunkt, Backslash, Backslash
= C:backslash ???

Und dann gibt es da noch das Supportgespräch, wo wir uns etwa eine Stunde darüber unterhalten, dass der Kunde nun c, Doppelpunkt, Backslash, Backslash eingeben müsse. Leider hat der Kunde eingegeben: c:backslash. Eine der ersten Funktionen, die wir der ArchivistaBox spendierten, war eine vernünftige Fernwartung. Damit können wir dem Kunden über die Schulter schauen und er uns. Das trägt viel zum gegenseitigen Vertrauen bei und hat sich als äussert speditiv bei Supportfällen erwiesen. Allerdings hilft die Fernwartung nicht mehr weiter, wenn die Maschine hardwareseitig nicht läuft. Auch das wurde gemeldet. Bei der telefonischen Nachfrage, ob die Box denn eingeschaltet sei, entgegnet die Anwenderin, man habe die Frage an den interen Support weitergeleitet. Die Antwort der hauseigenen Support-Abteilung (immerhin ein Team von einigen Mitarbeitern) lautete, es müsse sich in jedem Fall um ein Support-Problem handeln, die Anwenderin habe glaubhaft versichert, dass die Statuslampe des Gerätes an sei. Also gut, am nächsten Tag fährt ein Mitarbeiter mit einer Ersatzbox zum Kunden — es brennt keine Statuslampe, die Box ist schlicht und einfach nicht eingeschaltet, wohl aber am Stromnetz angeschlossen. Die fragliche Statuslampe entpuppt sich als Bereitschaftsanzeige des Netzwerkports. Immerhin, das "Softwareproblem" war mit einem Klick auf den Hauptschalter aus der Welt geschaft.

So, damit wären ein paar Anektoten der ersten 10 Jahre erzählt. Ob es weitere 10 Jahre dauert, bis die nächsten "Müsterlis" auf dieser Homepage erscheinen, das bleibe an dieser Stelle einmal dahingestellt. All unseren Kunden und unseren Lieferanten, mit denen wir in den ersten 10 Jahren erfolgreich zusammenarbeiten durften, möchten wir an dieser Stelle ganz herzlich für die spannende und erfolgreiche Zeit danken. Und noch etwas, wir sind jetzt zwar 10 Jahre alt, das heisst aber noch lange nicht, dass in den nächsten Monaten nicht noch die eine oder andere Geburtstagsüberraschung eintreten wird.

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