LineageOS mit Root

Die ‚freie‘ Welt will verdient sein

Egg, 3. November 2017: Nachdem im ersten Teil das iPhone X im Mittelpunkt stand, im zweiten Teil das LG G6 vorgestellt wurde, geht es im dritten Teil darum, auf dem LG G6 LineageOS aufzuspielen und das LG G6 zu rooten, d.h. dem Gerät Vollzugriff zu geben, um damit Dinge zu tun, die unter Linux zwar selbstverständlich, auf einem Smartphone allerdings mühevoll zu erarbeiten sind.

Aufspielen von LineageOS

Im Unterschied zu Android ist LineageOS ein freies Betriebssystem. Wer mag, kann LineageOS selber im Quellcode anpassen und so sein eigenes SmartphoneOS erstellen. Vorteil gegenüber Android ist hier primär, dass mit LineageOS viele ältere Smartphones nach wie vor Unterstützung finden, zu denen es von den Herstellern längst keinen Support mehr gibt. Dadurch, dass LineageOS zu Android fast vollkommen kompatibel ist, steht ein sehr aktuelles und modernes — und eben freies — SmartphoneOS zur Verfügung.

Zum Aufspielen von LineageOS gibt es ein längeres Dokument auf dieser Seite, das ausführlich beschreibt, wie der Prozess abläuft. Ohne all diese grundlegenden Informationen wird es kaum gelingen, das LG G6 mit LineageOS zu bestücken. An dieser Stelle folgen nur noch jene Informationen, die speziell für das LG G6 zu beachten sind.

Bevor LineageOS aufgespielt werden kann, ist das Gerät in den Entwickler-Modus zu versetzen. Danach sind USB-Debugging zu aktivieren und die OEM-Entsprerrung zu aktivieren, ehe auf der Firmenhomepage von LG die Datei ‚unlock.bin‘ erstellt werden kann. Mit dieser Datei kann das LG G6 entsperrt werden. Erst jetzt kann TeamWin in die Recovery-Partition installiert werden, um danach am Ende LineageOS selber aufzuspielen. Mit der Anleitung vom Frühling für das Moto G4 sollte es nicht allzu schwer sein, diesen Vorgang zu durchlaufen.

An sich ist der Vorgang nicht schwieriger, als dies beim Moto G4 von Lenovo der Fall war bzw. ist. Eine gewisse Herausforderung stellt es dar, das LG G6 im Recovery-Modus zu starten, daher soll dieser Vorgang an dieser Stelle beschrieben werden. Zunächst ist die Taste ‚Lautstärke-Minus‘ zu drücken, dann gleichzeitig die Power-Taste (Fingerabdruck-Sensor) auf der Rückseite. Das Gerät startet nach einer kurzen Zeit auf. Zumindest gewöhnungsbedürft ist es, dass beim ersten Logo von LG die Power-Taste kurz nicht gedrückt werden muss (ohne Lautstärke-Minus loszulassen), um den Power-Button darauf gleich wieder zu drücken (zusammen mit Lautstäre-Minus), damit der Recovery-Modus aktiviert wird.

Noch gewöhnungsbedürftiger ist es, dass beim Vorgang nicht direkt der Recovery-Modus gestartet wird, sondern dass zunächst die zweimalige Abfrage eines ‚Factory data reset‘ erfolgt. Damit nicht genug, wer die Abfrage mit ‚No‘ (Drücken auf Power-Button) bestätigt, wird den Reovery-Modus nie erreichen. Vielmehr ist der ‚Factoy data reset‘ zweimalig zu bestätigen, um das Türchen für TeamWin zu öffnen. In Anbetracht dessen, dass längst nich alle Hersteller diesen Vorgang zulassen, bringt es an dieser Stelle wenig, den notwendigen Weg dazu als kompliziert hinzustellen (was durchaus zutrifft).

Nehmen wir es sportlich, die ‚Freiheit‘ gibt es nicht umsonst. Oder anders herum gesagt, wie generös LG ist, sei im Vergleich zu Apple dokumentiert. Bei Apple gibt es aktuell für iOS 11 keinen Jailbreak, gemäss 91mobiles.com ist iOS 10.2 aktuell das letzte Apple-OS, das gerootet werden kann. Damit ist allerdings noch lange kein alternatives Betriebssystem auf dem iPhone installiert. In der Kürze konnte ich einzig das Projekt iDroid finden. Die letzten Meldungen dazu stammen aus den Jahren 2010 bis 2012, wo es gemäss CHIP Online einmal gelang, ein iPhone 3 mit einem Android 2.x zu bestücken.

Wer an dieser Stelle eine Apple-Phobie des Autoren vermutet, dem sei hier  gesagt, dass dem definitiv nicht so ist. Es geht vielmehr darum, dass ich als Eigentümer eines Smartphones, das als Arbeitstier dienen soll, es einfach als notwendig erachte, es so anpassen zu können, dass ich damit sicher und bequem arbeiten kann.

Zurück zum LG G6, ist die Recovery-Hürde einmal umschifft, gestaltet sich das Aufspielen von LineageOS als nicht weiter schwierig. TeamWin erledigt den Job an sich prompt. Speziell darauf hingewiesen sei hier noch, dass wer den Vorgang spätabends durchführt beim ersten Hochfahren von LineageOS einen sehr matten Bildschirm vorfinden wird. LineageOS versetzt das LG G6 etwas gar matt in die Nachtumgebung.

LG G6 korrekt rooten

Um LineageOS aufspielen zu können, muss das Gerät nicht zwingend in den root-Modus versetzt werden. LineageOS arbeitet (analog zu Android) problemlos ohne root-Aktivierung. Dennoch wollte ich mein Gerät rooten, um danach LinuxDeploy aufzuspielen, dazu im fünften Teil mehr.

Für einmal gibt es beim Rooten gar die Wahl. Entweder kann das allseits bekannte SuperSU oder Magisk verwendet werden. Zwar konnte ich das LG G6 mit beiden Tools rooten, nur hatte ich danach beim LG G6 andauernd das Problem, dass sich das Gerät später nach einiger Zeit verabschiedete, um einen Neustart durchzuführen. Schlimmer noch, der root-Modus wurde dabei gar komplett deaktiviert bzw. konnte erst wieder über eine erneute Installation von SuperSU aktiviert werden. Entsprechende Suchabfragen, warum dem so ist, brachten zunächst keine Resultate.

In diesen Momenten steigt das Frustpotential beträchtlich an, wer nicht hartnäckig dran bleibt, kann an diesem Punkt durchaus auch scheitern. Am Ende brachte die Anleitung beim USP-Forum.de die Lösung. Es genügt leider nicht, einfach SuperSu zu installieren, zusätzlich ist in TeamWin im gleichen Atemzug (und vorgängig vor dem Aufspielen von SuperSU) der Patch ’no-verity-opt-encrypt‘ zu aktivieren. Erst nach der Wahl der vorangehenden Datei kann bzw. muss mit ‚Add more Zips‘ SuperSU selber installiert werden. Soweit ich dies verstehen kann, gibt es beim LG G6 eine Verschlüsselung, die aktuell weder von SuperSU als auch von Magisk sauber unterstützt werden kann. Während andere in der Nacht zum 3. November 2017 für ein Apple-Telefon anstehen, ärgere ich mich im stillen Kämmerlein darüber, diese Anleitung erst nach Stunden zu finden. Leider konnte ich nicht in Erfahrung bringen, ob die Apple-Spracherkennung Siri mir hier zuverlässig geholfen hätte. Da Siri mittlerweile wieder auf die Resultate des den Suchriesen (siehe dazu golem.de) zurückgreift, bezweifle ich dies doch sehr. Zugegeben, das Problem lag wohl eher daran, sowohl beim Suchriesen als auch bei DuckDuckGo.com die falsche Frage gestellt zu haben.

Bevor ich in Frieden mit Siri schliessen möchte, sei hier noch angemerkt, dass Apple sich die Einstellung auf die Suchmaschine des Suchriesen fürstlich bezahlen lässt, gemäss einem Golem-Artikel zahlt Google dafür mehrere Milliarden. Eines muss man Apple lassen, die Geschäftstüchtigkeit ist wohl einmalig. Wer bei der Konkurrenz sucht, und sich dafür bezahlen lässt, ist der Konkurrenz diesbezüglich nicht gerade 10 Jahre, aber doch massiv voraus. Ob dies für die Anwender/innen auch gut ist, dies steht freilich auf einem anderen Blatt geschrieben.

Zurück zum ‚profanen‘ root-Modus des LG G6. Seit dem gleichzeitigen Patchen beider root-Toole arbeitet das Smartphone zuverlässig. Ansonsten konnten mit LineageOS keine Probleme festgestellt werden. Dies freilich mit der Ausnahme, dass bei der aktuellen Kamera-App die Verschlusszeit manuell zu justieren ist, was uns zum vierten Teil führt, wo es um App-Verzeichnisse und Stores geht, die es gibt, um zusätzliche Apps zu installieren.

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