Vista-Erfahrungen

Erfahrungen mit WindowsVista

Pfaffhausen, 15.2.2008: Dadurch, dass die ArchivistaBox komplett auf einer eigenen Box ausgeliefert wird, hat uns die Einführung von WindowsVista relativ „kalt“ gelassen. Ich erinnere mich aber noch gut an alte Zeiten, wo kein neues Office, oder Windows erschien, ohne dass wir als Software-Anbieter nicht auch gleich eine neue Version von Archivista nachschieben „mussten“ oder durften. Sicher, bei dieser Gelegenheit hätte man auch gleich ein neues Update einfordern können, doch alleine, wir von Archivista GmbH haben das nicht gemacht.

Praktisch jedes Jahr ein kostenpflichtiges Update bei Windows

Die Firma Archivista GmbH wird im Jahre 2008 zehn Jahre alt. In dieser Zeit gab es genau zwei kostenpflichtige Updates, das erste 2002 mit der Einführung von Archivista5, das zweite Update erfolgte mit der produktiven Einführung der ArchivistaBox im Jahre 2007. Während dieser Zeit hat es folgende Windows-Versionen gegeben: Windows95, Windows98, Windows98SE, WindowsME, Windows NT 3.5, WindowsNT, Windows2000, Windows XP, Windows Server 2003 sowie nun WindowsVista in allen Varianten. Merke: Bei Windows gab/gibt es im Schnitt praktisch jedes Jahr ein kostenpflichtiges Update, bei Archivista im Schnitt alle fünf Jahre.

100:1 im Vergleich zu Windows95 zu WindowsVista

Eine weitere Kennzahl gefällig. Windows95 „verschlingt“ auf der Festplatte etwa 100 MByte, bei WindowsVista sind es mittlerweile etwa 10 GByte, bzw. 10’000 MByte, wir bewegen uns also in etwa bei Faktor 1:100. Das gleiche Bild ergibt sich beim Bedarf an Hauptspeicher. Windows95 benötigte 8 MByte für einen vernünftigen Betrieb, bei WindowsVista ist es 1 GByte, bzw. 1024 MByte, d.h. hier haben wir Faktor 1:128. Nun sind in der Zwischenzeit die Rechner natürlich schneller geworden, aber eben doch nicht um den Faktor 1:100, es dürfte wohl so sein, dass wir ca. alle zwei Jahre eine Verdoppelung der Rechnerkapazität erleben durften. Wir rechnen: 1:2:4:8:16:32 (Stand nach 10 Jahren). Diese Zahlen sind nun nicht wissenschaftlich abgestützt, sie dürften aber dennoch etwa hinkommen. Bei den Festplatten z.B. hatten wir vor ca. 10 Jahren 2 bis 4 GByte, während es heute schon 60 bis 120 GByte sein dürften.

Vista benötigt neue schnellste Rechner

So gesehen haben wir das Problem, dass WindowsVista in etwa die hundertfache Kapazität im Vergleich zu Windows95 benötigt, dass wir aber bei der Hardware erst bei Faktor 1:32 angekommen sind.

Einen Teil der Differenz können wir mit schnellerer Hardware ausgleichen (wir kaufen z.B. kaum mehr einen neuen Rechner, der nicht mindestens 2 GByte Hauptspeicher hat; wir haben dann aber noch immer das Problem, dass diese Rechner nicht kostengünstiger sind als 1998. Und dabei gibt es diese Rechner wie Sand am Meer. Zusammenfassend würde ich es etwa so formulieren: Das Hauptproblem von WindowsVista liegt darin, dass es der Hardware um mindestens zwei bis vier Jahre vorauseilt bzw. heute auf einfachen Bürorechnern schlicht zu langsam ist. Der Preis ist hoch, wir können WindowsVista nicht nur nicht mehr auf bestehenden Computern installieren, wir müssen auch noch überteuerte leistungsfähigere Rechner kaufen, damit wir einigermassen gleich schnell arbeiten können wir vor zehn Jahren.

Man mag mir vorwerfen, ich würde die Fakten einseitig zu Ungunsten von WindowsVista auslegen. Z.B. ist es in der Tat so, dass 1998 ja bereits Windows98, oder gar Windows98SE auf dem Markt war. Das stimmt schon, nur WindowsVista hätte ja auch bereits 2006 auf dem Markt erscheinen sollen bzw. ist mittlerweile schon eine ganze Weile auf dem Markt.

Und noch etwas, anno 1998 wurden die Rechner noch aufgerüstet, von Windows95 auf Windows98 oder gar auf WindowsNT. Das ist heute undenkbar. Ich habe im letzten Jahr einige Kunden mit WindowsVista erlebt, allesamt hatten sie neue Hardware.

WindowsVista im Einsatz bei Archivista GmbH

Und wenn wir nun selber auch zwei WindowsVista-Rechner angeschafft haben, dann erstens, weil einer meiner Kunden den Druckertreiber (davon in einem der nächsten Blogs mehr) nicht auf Anhieb unter Vista zum Laufen brachte und zweitens weil WindowsVista in einer handelsüblichen Lizenz etwa gleich viel kostet wie ein Rechner, der WindowsVista enthält.

Vergleich: Acer Rechner für ca. 650 sFr. bzw. ca. 400 Euro (inkl. MwSt). Bei topreise.ch wird WindowsVista Ultimate für einige Fränkli bzw. Euros mehr angeboten. Natürlich muss ich ja kein WindowsVistaUltimate erwerben, und ja, das Acer-Notebook hat nur VistaHome Premium. Aber: Wie erstelle ich eine Sicherungskopie von WindowsVista mit Bordmitteln? Ja eben, mit WindowsVista Ultimate oder mit einem Notebook, dass diese Tool bereits mitliefert.

Alles andere wird noch teurer, denn WindowsVista hat sich reichlich Mühe gegeben, dass es mit OpenSource-Tools nicht so einfach gelingt, eine Backup-Kopie zu ziehen. Und ja, diese Backup-Kopie benötigen wir schon, denn es soll ja vorkommen, dass Windows hängt, und dann ist die Backup-Kopie nötig, ansonsten der Computer nicht mehr brauchbar ist.

Nun haben wir also zwei Notebooks hier stehen, einmal mit WindowsVista auf Deutsch und einmal mit der englischen Version. Bei beiden Notebooks lag im übrigen keine DVD mehr dabei und gleich zu Beginn muss erst- und einmalig ausgewählt werden, welche Sprachversion installiert werden soll. Wir könnten sonst wohl noch auf die irrsinnige Idee kommen, mit dem gleichen Notebook parallel zwei Sprachen fahren zu wollen.

Ich erinnere mich noch gut daran, dass es bei Windows XP wenigstens eine Multilingual gab, wir also sämtliche Sprachen auf einem Rechner fahren konnten. Und ja, ich habe mittlerweile auch keine grosse Lust mehr, die Microsoft MSDN-Pakete zu erwerben. Diese kosten (MSDN Operating Systems ca. 850 Euro exkl. MwSt.) ebenfalls deutlich mehr als zwei neue Notebooks mit WindowsVista zusammen.

Erstellen einer Recovery DVD dauert Tage

Mittlerweile sind diese zwei Notebooks so eingerichtet, dass wir bequem ein WindowsVista in zehn Minuten zurückspielen können und folglich getrost im Support arbeiten können. Der Preis dafür war allerdings doch höher als erwartet. So legt WindowsVista z.B. eine Shadow-Kopie an, wenn anstatt ‚Herunterfahren‘ der Modus ‚Energie sparen‘ angewählt wird. Und ja, dummerweise ist neu nicht mehr ‚Herunterfahren‘ voreingestellt, sondern ‚Energie sparen‘. Mit anderen Worten, früher oder später wird es wohl passieren und weg ist ein weiteres GByte an Festplattenspeicher. Und genau dieses GByte fehlt dann, um überhaupt noch eine Recovery-System auf einer DVD erstellen zu können.

Einige weitere „Müsterli“: WindowsVista HomePremium wird mit allen erdenklichen Multimedia-Features mitgeliefert, wer nun eine bootbare ISO-CD erstellen möchte, der sucht das Feature leider vergebens, man könnte sonst ja noch eine Ubuntu-CD erstellen, und das ist (verständlicherweise) nicht das Ziel von Microsoft. Oder als kleinen Vergleich: Bis sämtliche Optionen einigermassen so eingestellt waren, dass wir mit den Maschinen arbeiten können, vergingen ca. zwei Tage. Alleine das Deinstallieren der nicht benötigten Software (nein, ich möchte keine 60-Tage-Testversion von Microsoft Office 2007, und auch das Norton-Paket möchte ich nicht 90-Tage testen), dauerte Stunden.

Auch reichlich Zeit benötigte das Auffinden der ca. 700 MByte an Bildchen und Filmchen im benutzereigenen Ordner, die einfach mal ungefragt installiert werden. Und wenn mir beim ewigen Warten und Neustarten des Systems der Gedanke durch den K
opf geht, WindowsVista HomePremium scheint mir eher werbefinanziert denn als gekaufte Windows-Lizenz, dann wiederspiegelt dies ausschliesslich meine persönliche Meinung. Und ja natürlich, wer Vista Home Premium erwirbt, darf nicht erwarten, dass er damit arbeiten kann, dafür gäbe es ja WindowsVista Business und Ultimate.

Wer kann bleibt bei XP oder nimmt Ubuntu

Und zum Abschluss noch dies: In der grössten Buchhandlung in Zürich fragt ein Kunde nach einer Windows-Lizenz. Die Verkäuferin legt ihm Windows XP ans Herz, sie selber habe auch wieder auf Windows XP zurückmigriert, es laufe halt schneller und stabiler. Dem würde ich mich mit der Bemerkung anschliessen wollen, schneller auf jeden Fall und stabiler ganz sicher auch, denn spätestens wenn es darum geht, hardwarenahe Treiber zu installieren dürfte Windows XP wohl die stabilere Variante darstellen.

Nachtrag: In etwa der gleichen Zeit musste ich Ubuntu 7.10 auf einen Rechner installieren. Der Job war in etwa. 30 Minuten erledigt, der Rechner hatte die Hälfte an Hauptspeicher und Rechnerleistung der Vista-Notebooks. Ganz so überraschend ist das nicht, wenn man bedenkt, dass Ubuntu 7.10 noch immer auf einer einzigen CD ausgeliefert wird.

Hoher Investitionsschutz für ArchivistaBox

Fazit: Vielleicht verstehen nun einige besser, warum wir uns vor einigen Jahren entschlossen haben, unsere DMS-Software auf einer Box zu vertreiben. Wir können heute bei einem Viertel an Hardwarekapazitäten die gleiche Lösung laufen lassen, als wenn wir die Software unter WindowsVista installieren müssten/würden. Wir sehen auch, dass (und zwar nicht nur im DMS-Markt) erstaunlich wenig Werbung betrieben wird mit dem Slogan ‚WindowsVista ready‘, denn letztlich bedeutet dies für den Kunden, dass er neue Hardware anschaffen muss, und so wirklich toll finden das mittlerweile nur noch wenige.

In Bezug auf unsere Produkte sind wir stolz, dass wir die ArchivistaBox entwickelt haben. Wir können uns heute auf unser Kerngeschäft konzentrieren und müssen nicht alle Jahre wieder unsere Software auf WindowsXYZ patchen, das spart viel Zeit und Energie. Trotzdem, selbstverständlich bieten wir unseren Kunden einen hohen Investitionsschutz: die ArchivistaBox kann problemlos virtuell auf jedem Windows-Rechner betreiben werden, ganz abgesehen davon, dass wir sowohl den Rich- als auch den WebClient unter WindowsVista supporten.

Und ja, selbst die 1998 erstellten Datenstrukturen können 2008 und auch noch Jahrzehnte später problemlos (ohne Konvertierung!) verwendet werden. Toll, dass wir z.B. nicht erst bis 2008 gewartet haben, bis sich Microsoft dazu bequemt, die Spezifikationen von Microsoft Office zu veröffentlichen. Wir könnten jetzt, im Jahre 2008, anfangen, die 2’000 veröffentlichten Seiten zu lesen. Die Spezifikationen zu den Formaten, die in der ArchivistaBox verwendet werden, liegen alle seit jeher dokumentiert, quelloffen vor. Es sind ca. 20 A4-Seiten; dies ergibt Faktor 1:100. Auch dies ein Grund, für die Archivierung doch eher eine ArchivistaBox zu verwenden anstatt auf Microsoft-Produkte zu setzen.