WebClient 2012/IX

ArchivistaBox 2012/IX mit neuem WebClient

Pfaffhausen, 21. August 2012: Wir freuen uns, die ArchivistaBox 2012/IX vorstellen zu dürfen. Die Erweiterung des WebClients war lange schon auf unserer Wunschliste. Umso erfreulicher ist es, dass wir mit der ArchivistaBox 2012/IX den neuen WebClient präsentieren dürfen. Dass der neue WebClient mit GPLv2-Lizenz daherkommt, versteht sich an sich von alleine. Trotzdem seien die wichtigsten Punkte nochmals in Erinnerung gerufen. Mit dem WebClient 2012/IX geht der RichClient per 31.12.2013 definitiv in Rente — und auch unserem Nachfolgern beim Swiss Open Source Award möchten wir herzlich gratulieren.

WebClient 2012/IX: Mehr Effizienz bei der Beschlagwortung

Dank dem neuen WebClient der ArchivistaBox 2012/IX können die Felder einer beliebigen Akte mit der Funktionstaste ‚F7‘ kopiert werden. Danach können die Feldwerte beim Bearbeiten einer anderen Akte mit der Taste ‚F8‘ eingefügt werden. Ebenfalls einfacher ist das Suchen der Dokumente. Die letzte Suchabfrage ist neu jederzeit im Formular ‚Suchen‘ ersichtlich und kann nochmals (auch in geänderter Form) aufgerufen werden.

Ab und wann müssen Feldwerte global ersetzt werden. Dazu bietet der neue WebClient das neue Formular ‚Ersetzen‘ an. Damit lassen sich beliebige Feldwerte innerhalb der aktuellen Auswahl beinahe beliebig verändern — und zwar so, dass die Konsistenz der Daten gewährleistet ist. Dies bedeutet z.B. (um nur ein Beispiel zu nennen), dass beim Ändern eines verlinkten Feldes (z.B. FirmenName und FirmenNummer) immer beide Felder à jour gehalten werden. Derzeit erfordert dieses Feature Rechte auf Stufe Superuser (SYSOP). Unsere Kunden werden entscheiden, ob diese Funktion für alle Benutzerlevel gewünscht wird oder nicht.

Kunden mit Wartungsvertrag können die neuen CDs per Mail/Telefon einfordern und mit dem Online-Update einspielen. In der Community-Version stehen die Funktionen ebenfalls bereit.

Open Source aus erster Hand und 100% inhouse

Alle diese neuen Features unterstehen der Open Source Linzenz GPLv2. Dies bedeutet, dass die Sourcen komplett gegenüber den Kunden (aber auch innerhalb der Community-Version) offengelegt sind. Auch auf die Gefahr hin, dass ich mich an dieser Stelle wiederhole, die Open Source Lizenz GPLv2 bedeutet deutlich mehr, als dass irgendwo ein Qeullcode bestünde. Die GPLv2-Lizenz beinhaltet explizit die freie Verfügbarkeit, aber auch die Verpflichtung, die Sourcen weiterhin zu veröffentlichen.

Beide Punkte werden leider oft und gerne falsch bzw. nicht verstanden. So musste ich letzthin in einem Gespräch feststellen, dass ein gestandener EDV-Leiter keinen Unterschied zwischen der Lizenz eines grossen deutschen ERP-Anbieters mit drei Buchstaben und der GPL-Lizenz auszumachen wusste. Aber auch unsere Sourcen werden mitunter kopiert und geändert (inkl. Verkauf), ohne dass das Copyright bzw. die GPL-Lizenz eingehalten würde, weil .z.B. der geänderte Quellcode eben gerade nicht publiziert wird.

In diesem Sinne freuen wir uns, dass wir den Archivista WebClient mit Open Source Lizenz GPLv2 und aus erster Hand anbieten können. Nebenbei gesagt, die Quellen der ArchivistaBox publizieren wir seit 2005. Die ursprüngliche Transformation der älteren Windows-Software (die DMS-Lösung gibt es bereits seit 1998) konnte 2007 abgeschlossen werden. In der Zeit zwischen 2005 und 2011 hatten wir die Entwicklung eines Teiles unserer Software (z.B. 32-Bit-Version mit T2) ausgelagert. Dies ist mittlerweile nicht mehr der Fall, seit einigen Monaten arbeiten wir wieder und ausschliesslich zu 100% inhouse. Dabei verwenden wir die Programmiersprachen Perl, C/C++, sowie PHP. Daneben gibt es etwas Bash-Code — wobei Bash auch weit ausgelegt keine Programmiersprache ist ;-).

Aus eigener Erfahrung könnten wir jetzt nicht sagen, dass das Outsourcen nicht funktioniert hätte. Offen gestanden wäre die Entwicklung der damaligen 32-Bit-Version der ArchivistaBox kaum ohne externe Hilfe möglich gewesen. Wir konnten und durften von externen Partnern viel lernen. Letztlich vorallem deshalb, weil wir mit der GPl-Lizenz arbeiteten und so peu-à-peu mehr Verantwortung für die ArchivistaBox übernehmen konnten — und auch wollten. Inhouse-Entwicklung bietet uns heute deutlich mehr Flexibilität, und diese geben wir gerne an unsere Kunden weiter.

Archivista RichClient: End of Live (EOL) per 31.12.2013

Mit der Veröffentlichung des WebClients 2012/IX wird weiter der alte RichClient definitiv nicht mehr weiterentwickelt. Sämtliche Funktionen des RichClients stehen nunmehr im WebClient (und dies deutlich effizienter) zur Verfügung. Kunden, welche den RichClient noch einsetzen, können per sofort auf die ArchivistaBox 2012/IX migrieren. Der Support für den RichClient wird noch bis zum 31.12.2013 aufrechterhalten. Zur Erinnerung, den RichClient gibt es seit 1998, womit er Ende 2013 nach über 16 Jahren das softwaretechnische Rentenalter längst verdient hat. 16 Jahre sind eine lange Zeit, sie dürften auf dem Markt einmalig lange sein. Gerne sei an dieser Stelle auf unser Web-Museum verwiesen. Transparenz und Konstanz sind uns wichtig, auch wenn die Branche gerne gierig die Vergangenheit vergisst [Nebenbemerkung z.B. bei den Signaturen]).

Der RichClient untersteht der Open Source Lizenz. Sollte jemand den alten VB-Code in eine neuere Sprache überführen wollen, so senden wir den Code gerne zu. Das Problem des RichClients war/ist aber, dass er nur auf einer Plattform läuffähig ist. Die verwendete Sprache VB läuft nur unter Windows (32 Bit). Bekanntlich lässt sich VB-Code bis heute nicht auf eine andere Plattform, noch nicht einmal auf eine neuere Entwicklungsumgebung unter Windows, migrieren. Mehr als 100’000 Zeilen Code werden so (gezwungenermassen) Ende 2013 dem Datenfriedhof überführt. Und trotzdem sei dem gleichnamigen Hersteller von VB und Windows an dieser Stelle gedankt.

Dies ist keinesfalls ironisierend gemeint. Hätte sich der RichClient-Code im Jahre 2003 migrieren lassen, dann wäre die ArchivistaBox wahrscheinlich gar nicht entstanden — und wir bzw. unsere Kunden würden uns noch immer mit Installationen irgendwelcher Windows-Patches herumschlagen. Zum Vergleich, die ArchivistaBox im RAM ist in weniger als einer Minute komplett installiert, sodass produktiv (im RAM!) gearbeitet werden kann. Es ist nicht bekannt, dass dies mit Windows auch nur in Ansätzen so möglich ist. Ein weiteres Beispiel: die selbstrangenden Archive, die unter Windows nie selbsttragend waren, sind mit der ArchivistaBox ebenfalls in weniger als einer Minute erstellt — sie sind überdies zu 100% selbstrangend und lassen sich wiederum in weniger als 60 Sekunden komplett im RAM aufstarten (auf Wunsch direkt auch virtualisiert auf einer jeden ArchivistaBox). In diesem Sinne, Scheiden tut für einmal wirklich nicht weh!

Würdiger Nachfolger beim Swiss Open Source Award

Mitte August wurde der Swiss Open Source Award für das Jahr 2012 verliehen. Wir möchten sämtlichen Gewinnern herzlich gratulieren. Die Anzahl von 19 Bewerbungen könnte/dürfte grösser sein, aber letztlich zählt ja die Qualität und nicht die Quantität. So freut es uns ausserordentlich, dass der diesjährige Spezial Award, den wir im Jahre 2011 entgegennehmen durfen, an die quelloffene Software OpenJustitia des Bundesgerichtes vergeben wurde

Auch wenn dies vielleicht in der Branche nicht verstanden wird, die Tatsache, dass die öffentliche Hand eine Software selber entwickelt und unter der GPL-Lizenz veröffentlicht, erachten wir nicht als Eingriff in den Wettbewerb. Vielmehr können sämtliche Interessierte den Quellcode weiterentwickeln und so einen Mehrwert generieren. Bleibt einzig zu hoffen, dass das Bundesgericht mit dem Einsatz von Open Source nicht ’nur‘ eine Pionierrolle einnimmt, sondern dass der Einsatz von Open Source gerade in der öffentlichen Hand (aber auch anderswo) Alltag wird.